28 November 2010

Korruption?

Ein Trotro hält an der Strassenseite. Menschen steigen ein. Der Mate springt raus und läuft die Strasse runter. In seiner Hand sieht man etwas rotes aufblitzen. Ein Cedi. Er eilt zum Strassenpolizisten, gibt diesem die Hand und rennt wieder zurück zum fahrenden Trotro. Er springt rein, sammelt weitere Fahrgäste und weiter geht es
.
Geschehen ist diese Szene in der vergangenen Woche als Katha und ich auf dem Weg zur Schule waren. Doch auch mal zwischendurch bei routinemässigen Polizeikontrollen wird den Polizisten die Hand gereicht und die Kontrolle wird kurzerhand abgebrochen oder findet erst gar nicht statt.

Die genauen Hintergründe für den zweiten Fall kenne ich nicht. Bei dem ersten ist es jedoch ein Kampf um jeden Cedi, der verdient werden will bzw. muss.
Die Haltestelle, an der Katha und ich morgens einsteigen, ist eine inoffizielle Halte. Jedoch wird man nicht nur an Haltestellen eingesammelt, sondern überall an den Strassen, wenn man ein entsprechendes Fahrzeug anhält. Nun hat zumindest die Stadt Cape Coast beschlossen, dass Trotros ihre Fahrgäste nur noch an den offiziellen Stationen einsammeln dürfen und lässt Strassenpolizisten die zentralen Anlaufstellen und Kreuzungen bewachen und ggfs. Strafen verteilen. Einige Trotros hingegen fahren aber nicht von den Stationen und sammeln die Leute an den Strassen ein, die nicht extra zur entsprechenden Station gehen oder fahren können, da der Weg zu weit ist, die Anfahrt Geld kostet und wie ich neulich erfahren habe, das Trotro von der Station aus gleich das dreifache kosten soll. So gibt es weiterhin die Trotros, welche ihre Passagiere an den Strassen einsammeln und unter Umständen die Polizisten schmieren müssen, um günstiger als mit einer Strafe davon zu kommen. Für die Polizisten ist es gleichzeitig ein kleiner Nebenverdienst.

Auch hier stellt sich nun wieder die Frage: Ist es in Ordnung die Polizisten zu bestechen? Oder ist es kriminell es zu tun, gleichzeitig aber anderen Menschen damit zu helfen? Schliesslich wurde das Einsammeln zwischendurch scheinbar schon lange so gemacht und wird auch weiterhin betrieben. Eben nur nicht dort, wo jetzt die Polizisten stehen, es aber die Knotenpunkte für das Abfahren und Ankommen sind.
Katha und ich werden weiter versuchen zwischendurch ein Trotro zu ergattern. Auch wenn es von Tag zu Tag schwieriger wird und wir noch ein Stückchen mehr laufen müssen, um ausserhalb der Sichtweite der Polizisten zu gelangen.

23 November 2010

Richtig oder falsch?

Passend zum Ereignisloch erschien heute auf der Zeit Online ein Artikel zu Elektroschrott in Ghana, welcher aus den Industrieländern dorthin transportiert wird.
Wie bei allen Medien sollte auch dieser Artikel von verschiedenen Seiten betrachtet werden, doch sollte er auf jeden Fall einen Eindruck geben und Gedanken hinterlassen. Die Schilderung der Umstände im Artikel ist sehr anders als jene, welche ich in Cape Coast bisher erlebt und euch berichtet habe. Dennoch gibt es auch ähnliche Szenen hier - Mülldeponien werden nach letzten nutzbaren Dingen durchforstet, bevor der Abfall verbrannt wird, um neuen Platz für weitere Müllladungen zu schaffen.
Eine wachsende Nachhaltigkeit und ein verantwortungsbewusster Umgang mit Konsumgütern kann zu einer Verbesserung der Situation beitragen. Die Gesundheit vieler Menschen kann dadurch gebessert werden, dass weniger Schadstoffe verbrannt und die giftigen Wolken eingeatmet werden. Auf der anderen Seite fehlt für einige Menschen dann aber eine wichtige (die einzige?!) Einkommensquelle, um sich das Überleben zu sichern.

Woher weiss ich, dass ich richtig handel? Kann ich alle Konsequenzen abschätzen, die mein Handeln hervorrufen? Wer entscheidet über richtig und falsch?
Die Antworten sind wohl nur über Erfahrungen zu bekommen, welche man erleben muss, um die Situation besser einschätzen zu können. Jedoch muss ich auch dabei wieder unterscheiden.
Gebe ich jedem bettelnden Kind etwas Geld/Essen, weil es bedürftig ist? Kann ich überhaupt jedem bettelnden Kind etwas geben? Woher weiss ich, dass es auch wirklich bedürftig ist und nicht einfach nur so fragt, weil ich weiss bin? Wenn ich nur einigen etwas gebe: Warum genau diesen und nicht auch den anderen?

Nur du weisst, was du tust.

16 November 2010

Do they know it´s Christmas?

They do! 

Jingle bells, jingle bells, jingle all the way,
oh what fun it is to ride in a one horse open sleigh!

Nein, ich leide nicht unter dem Bedürfnis nach vorweihnachtlicher Stimmung, wobei ich die Gemütlichkeit und das warme Anziehen doch schon ein wenig vermisse. Vielmehr bin ich darüber erstaunt, dass dieses Lied gestern und ein anderes heute aus den grossen Boxen von verschiedenen Läden in Cape Coast über die Strasse schallen. Es herrscht hier absolut keine weihnachtliche Stimmung (ist ja auch noch nicht einmal der erste Advent gewesen), wie ich sie gewohnt bin und auch sonst soll Weihnachten hier in Ghana eher dezenter, wenn überhaupt, gefeiert werden. Von Erzählungen habe ich gehört, dass die Leute zwar viel und lange in die Kirche gehen, aber das grosse Fest mit viel Essen, Geschenken und Familienzusammenkunft ausfallen lassen bzw nicht kennen. Ebenso wird hier in Ghana nie Schnee fallen und die meisten kennen ihn auch nur aus dem Fernsehen oder von Bildern. Dennoch ist Weihnachten hier ein Thema und die Weihnachtslieder sind auch bekannt.

So viel zu dem kleinen Ereignis von Weihnachtsliedern in Ghana, das ich erlebt habe und erwähnenswert fand.

14 November 2010

Jubiläumswoche Part II

Weiter geht´s mit dem Geburtstag!
Der Clean-Up scheint für Jubiläumsfeiern üblich zu sein. Wir halfen am Regional Hospital direkt am Meer mit dem Rasenmähen und dem Säubern von Beeten. Beim Rasenmähen habe ich mir auch meine kleine Verletzung zugezogen. Da es nur wenige Rasenmäher gibt, welche bei uns Standard sind, werden kurzerhand Macheten zum Schneiden des Grases benutzt. Ich nehme mir also eine Machete und beginne mit nur einer kurzen Einleitung das Schneiden. Es klappt eigentlich ganz gut, ist aber eine anstrengende und kraftraubende Arbeit. Zumal die Hitze und Luftfeuchte bereits morgens um o9oo zu hoch ist, um körperlich zu arbeiten. Dann also passiert es. Ich halte die Machete in der Hand, schlage auf das Gras ein und zack…..es tut weh. Hört sich gerade schlimmer an, als es war. Nein, ich habe mir nicht ins Bein geschnitten, nein, ich habe keinen anderen getroffen, nein, meine andere Hand ist auch noch dran. Ich habe mir lediglich eine grosse Blase am rechten Zeigefinger zugezogen, welche auch kurzerhand geplatzt ist. Zum Glück waren wir am Krankenhaus. Also gleich nebenan ins Familienplanungscenter und verarztet werden. Eigentlich wollte ich nur ein Pflaster. Am Ende wurde die Wunde mit reinem Alkohol desinfiziert (brennt höllisch!), die lose Haut abgeschnitten, Mullbinde mit einer braunen Flüssigkeit getränkt und darauf getan und alles ziemlich schlecht getapt. Einen schönen Verband hatte ich dann da, über den sich meine Lehrerkollegen ziemlich lustig gemacht haben, aber auch Mitgefühl zeigten.
Ein weiterer Clean-Up ging am Freitag auf dem Schulcampus vonstatten. Schliesslich musste für die Jubiläumsfeier alles schön hergerichtet werden. Aufgrund meiner Verletzung konnte ich nicht wirklich mithelfen und war auch ansonsten ziemlich arbeitslos, da alle anderen beschäftigt waren und ihrer Arbeit nachgingen. So machte ich einen kurzen Arbeitstag und verschwand dann schnell wieder.
Samstag war dann der grosse Tag. Die offizielle Feier mit Reden, Tanz, Preisvergabe und Geldeinsammeln stand auf dem Programm. Über vier Stunden sass ich dafür auf meinem Platz und war irgendwann leicht gelangweilt, da es sich in die Länge zog und die Hitze unerträglich wurde. Insbesondere bei den Reden, dem Spendensammeln und der Preisvergabe war es schwierig die Konzentration aufrecht zu halten. Doch auch das nahm ein Ende und so begann der lockere Teil. Hier ein Schnack mit einem Lehrer, dort eine Fotosession mit den Kindern und am Ende ein Erfahrungsaustausch mit einem der Amerikaner, der für wenige Tage in Cape Coast war.

Tanzdarbietung von Schülerinnen

die Schüler auf ihren Plätzen während des Programms

Schüler bei der Modenschau, die ebenfalls während der Feier stattfand

Heute endete die Jubiläumswoche mit einem Gottesdienst. In der grossen anglikanischen Kirche nahm der Grossteil der Schüler Platz und beobachtete Francis beim Dolmetschen in Gebärden. Mittendrin wurden wir Lehrer mit aufgerufen und ich folgte den anderen ahnungslos. Am Ende dieses Teils wurde ich vom Bischof mit Wasser bespritzt und erhielt zusammen mit den anderen einen Segen. Nach vielen Liedern, Gedenken, Beten, einem Abendmahl und Danksagungen kamen wir nach über 3 Stunden aus der Kirche und ich war sehr froh darüber. Der Schulbus brachte uns wieder zu Cape Deaf und dort endete der Tag mit ein wenig Smalltalk und Snacks.

ein Teil meiner Klasse beim Fotoshooting

Morgen ist aufgrund der Feierwoche schulinterner Erholungstag und Dienstag ist muslimischer Feiertag in Ghana. So habe ich nach einer 7-Tage-Woche wenigstens ein verspätetes Wochenende, bevor es am Mittwoch wieder normal mit Unterricht weiter geht.

11 November 2010

Jubiläumswoche, Part I

Cape Deaf hat 40sten Geburtstag und der wird gefeiert! Zum Jubiläum findet hier eine ganze Festwoche statt, um ausgiebig zu zelebrieren.
Den Auftakt am Montag gab ein Talk. Dieser Talk war eine Art Diskussionsrunde zum Thema „vorehelicher Sex“, welcher zur Aufklärung der Kinder dienen sollte. Die Informationen waren gut und auch detailliert, jedoch fehlte mir der kritische Gesichtspunkt etwas dabei und es diente leider nicht der allgemeinen Aufklärung, sondern nur dem Teil zum vorehelichen Sex und dessen möglichen Folgen. Die Kinder hörten gespannt zu und beteiligten sich bei den Fragerunden. Selbst die Jüngeren hatten Ideen, wobei die ganz jungen Kinder aus dem Kindergarten dem Gespräch mangels Gebärdenkenntnisse nicht folgen konnten und gelangweilt dasassen.

Kollegium samt Volunteers und Friends von Cape Deaf

 Am Dienstag war Street Carnival in der Innenstadt. Die Schüler ab Klasse 5 wurden mit Bus und Transporter zur Tantri-Station gebracht und von dort ging es gesammelt mit zwei Musikkapellen durch die Strassen Cape Coasts. Zwei Stunden in der prallen Mittagssonne dauerte der Umzug mit super Stimmung zur Unterhaltung der Passanten und Verkäufer. Viele tanzten zur Musik an ihren Ständen und winkten zurück oder liefen sogar ein paar Meter mit uns. So wurde viel für die Aufmerksamkeit der Gehörlosen getan. Katha und ich wurden später bei unserem Weg vom Strand nach Hause sogar wegen des Umzugs angesprochen, weil uns die Leute dabei gesehen haben.







Fun Games stellten das Programm am Mittwoch dar. Zwei Schulen aus Cape Coast wurden dazu eingeladen und brachten ihre Mannschaften für Volleyball, Fussball und Tauziehen mit. Neben den sportlichen Wettkämpfen gab es für alle anderen Kinder Sackhüpfen, andere kleine Spielchen und eine Open Air Disco direkt am Spielfeldrand. Die Schüler von Cape Deaf haben bei den Wettkämpfen sehr gut abgeschnitten und konnten die anderen Schulmannschaften oft besiegen. Das Training scheint gut und die Beeinträchtigung des nicht Hörens und nur bedingten Sprechens beim Sport eher nebensächlich zu sein. Im Anschluss an die Spiele der Kinder folgte am Nachmittag das Fussballspiel zwischen Lehrern und Schülern von Cape Deaf. Ich habe mitgespielt und unter der heissen Sonne viel geschwitzt und gemerkt, dass ich lange keinen Sport mehr gemacht habe. Leider haben wir dann auch 3-0 verloren, wobei einer der Lehrer in der Schlussminute noch einen Elfmeter verschossen hat.

Lehrerfussballteam

Am heutigen Donnerstag folgte ein Clean-Up am Krankenhaus. Genaueres dazu und dessen Folgen gibt es dann hoffentlich am Sonntag, wenn die Jubiläumswoche endet und meine Finger wieder schmerzfrei sind. Macheten sind echt fies...

08 November 2010

Angekommen

Es ist ein herrliches Gefühl, wenn man nach einer Reise zurück kommt und sich einfach heimisch und wohl fühlt in seiner Umgebung. So erging es mir gestern Abend, als ich nach meinem Wochenendausflug mit Jasper, Jacob und Fabian wieder in Cape Coast ankam. Wir haben uns am Samstagmorgen mit dem Bus in die Hauptstadt aufgemacht. Nach ein paar Anfangsschwierigkeiten zwecks Pünktlichkeit sassen wir endlich im Bus nach Accra. Die Reise war recht spontan und ungeplant. So hatten wir bei unserer Ankunft noch keine Unterkunft, sondern nur eine Adresse aus dem Reiseführer. Wir hatten alle keine Orientierung in Accra und hofften auf das Beste. Zum Glück trafen wir eine sehr hilfsbereite Frau, die uns vom Trotro bis zum Hostel brachte. Im Anschluss liefen wir durch die Strassen, um die Stadt zu erkunden. Nachdem wir verschiedene Märkte nach Schnäppchen abgelaufen sind, sind wir nach Osu (ein Stadtteil Accras) gefahren, um auf dem Night Market zu essen. Zu späterer Stunde machten wir es uns auf einer Party gemütlich, wobei ich nach dem langen Tag (ich war schon um o4.45 aufgestanden, um rechtzeitig zum Bus zu kommen…) sehr geschlaucht und müde war und die Nacht nicht allzu lang wurde.
Am Sonntag gingen wir es gemütlich an und sind durch die Strassen geschlendert, um kulturelle Eindrücke zu bekommen. Viel haben wir nicht entdecken können. Jedoch sind das Stadion, sowie der Place of Independence mit dem Unabhängigkeitsbogen und dem Black Star beeindruckend. Nachmittags sind wir zur Busstation gefahren, um wieder nach Cape Coast zurückzukehren.

Der Black Star -das Zeichen für Freiheit und Gerechtigkeit- am Place of Independence

Der Unterschied zwischen dem kleinen Cape Coast und dem riesigen Accra ist beträchtlich. Es sind viel mehr Menschen unterwegs und alles ist noch lebendiger. Man hat keine Orientierung und Überblick über die Gegend (wobei das wohl vor allem daran liegt, dass wir vorher noch nicht in Accra waren) und alles ist weitläufiger und stressiger. Kinder sprechen einen weniger an als in Cape Coast und auch sonst habe ich den Eindruck, dass es anonymer und weniger freundlich zugeht. Accra ist eine tolle Stadt, jedoch muss ich sie mehr kennen lernen, um besser von ihr sprechen zu können.
Von daher war ich sehr froh wieder in Cape Coast anzukommen und habe mich zum ersten Mal so richtig zu Hause gefühlt. Ein Gefühl, dass ich hier so noch nicht hatte, da ich einfach noch nicht wusste, was ich an Cape Coast habe - und das bei nur zwei Tagen Abwesenheit. Es ist zudem ein Zeichen dafür, dass ich nun wirklich in Ghana angekommen bin und mich hier wohl fühle. Cape Coast ist meine neue Heimat geworden, die ich sehr schätze.

Cape Coast in der Abenddämmerung

Zudem hat Cape Coast seit Freitag eine neue Sightseeingattraktion: Wale. Als wir am Nachmittag am Strand sassen, konnte man dicht unterm Horizont zwei vorbeiziehende Wale sehen. Sie waren zwar kaum zu erkennen, aber dennoch war es eine tolle Sache. Scheinbar kommen sie zu dieser Zeit öfter vorbei und dann auch dichter am Strand, so dass man sie dann besser sehen kann.