Die Ferien haben Donnerstag begonnen und alle Kinder sind von Cape Deaf aus nach Hause gefahren oder wurden von ihren Eltern abgeholt. Fast alle. Einige bleiben noch länger in Cape Deaf, da ihre Eltern erst später Zeit und Möglichkeiten haben sie abzuholen. Andere bleiben für ein Kirchencamp erst einmal in der Schule wohnen und fahren später heim. Wenige sehen ihre Eltern leider gar nicht – weil sie keine mehr haben. So wie Stephen.
| Stephen bei der Veranstaltung für die Waisenkinder |
Gestern war ich bei einer Veranstaltung für die Waisenhäuser aus der Umgebung von Cape Coast. Es wurden verschiedene kulturelle Darbietungen aufgeführt und dann gab es für die Kinder Fried Rice, etwas zu trinken und Luftballons, Musik zum Tanzen und kleine Spielchen. Andi und Sandra, ebenfalls VIA-Freiwillige, haben mit ihrem Projekt alles geplant und organisiert. Es waren ca. 1000 Kinder dort. Die meisten aus Waisenhäusern, aber auch einige Kinder aus Cape Coast, die Waren auf der Strasse verkaufen, um das Einkommen der Familie zu erhöhen. Stephen war auch da – mit seinen beiden kleinen Brüdern und den anderen Kindern aus dem Waisenhaus.
Die Kinder hielten bei den Reden von den geladenen Gästen tapfer durch und danach herrschte eine ausgelassene Stimmung. Man merkte ihnen kaum an, dass sie keine Eltern mehr haben. Viele sprachen von ihren Brüdern und Schwestern, sowie Vätern und Müttern. Gemeint sind die anderen Waisenkinder, sowie die Leiter und Erzieher. Sie sind zu einer Familie zusammen gewachsen. Die grösseren Kinder kümmern sich um die jüngeren und alle sorgen füreinander. Eine Ersatzfamilie für die meisten der Kinder. Stephen sieht seine Ersatzfamilie und vor allem seine beiden Brüder leider nur wenig. Er wohnt auf dem Campus in Cape Deaf und hat dort eine weitere Familie.
| Stephen beim Selbstportrait fotografieren mit meiner Kamera |
Trotz dieses Hin und Her ist er ein fröhlicher, kleiner Junge. Er kann bisher nur wenige Gebärden, aber seine Körpersprache lässt auf einiges, das er sagen will, schliessen. Fröhlichkeit ist das eine. Das andere ist Einsamkeit und die Suche nach Nähe – trotz zweier Familien.
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