21 February 2011

Sehtest

Freitag stand im Zeichen des Sehens. Für die Schüler in Cape Deaf also umso wichtiger, um ihre Umgebung wahrzunehmen, da sie ja nicht hören können.
Morgens nach dem Worship kamen die durchführenden Personen des Sehtests etwas später als abgemacht und so musste ich meinen Unterricht abbrechen; nur 5 Minuten nachdem ich angefangen hatte.
Ich bin dann mit Marie und den Kindern in das im September neu eingeweihte Testing-Gebäude gegangen und wir haben den Kindern beim Ausfüllen der Testbögen geholfen. Geduldig warteten die Kinder darauf für den Sehtest in das nächste Zimmer geholt zu werden. Da die Tester keine Gebärden konnten, musste ich aushelfen und viel übersetzen. Zum Glück kam Lamptey auch bald dazu und half ebenfalls mit zu dolmetschen. Nach und nach rückten die Kinder voran und mussten zu weiteren Personen zum Test. Dadurch bin ich dann immer mehr unterwegs gewesen und musste helfen, da die Verständigungsschwierigkeiten teilweise gross waren. Doch die Kinder machten mit und fanden den Test teils interessant und aufregend. Zum Ende mussten ein paar der Kinder noch einmal zu einem genaueren Sehtest, da sie scheinbar eine Brille brauchen. Zwei von ihnen haben grössere Probleme und müssen medizinisch behandelt werden. Die eine von ihnen gar operativ, da sie einen Star am Auge hat, der entfernt werden sollte.
Wie der weitere Ablauf zwecks Kosten für die Brillen und medizinische Versorgung ist, weiss ich leider nicht. Die Leute vom Sehtest meinten aber, dass die meisten Menschen schon eine Versicherung haben und so die Kosten in Grenzen gehalten werden. Ich hoffe das Beste. Schliesslich steht die Gesundheit der Kinder auf dem Spiel und wenn sie auch noch ihr Augenlicht verlieren würden, hätten sie ein ganz schweres Los.

20 February 2011

Cafacayo

Bereits am letzten Wochenende war ich etwas außerhalb von Accra in Teshie. Dort habe ich Luwis besucht, welcher im Stadtteil Rasta vor wenigen Jahren ein Heim für Waisen und bedürftige Kinder eröffnet hat. Dieses wird von seinem Verein Cafacayo sowie der Preuschhof-Stiftung finanziell unterstützt. Momentan leben dort elf aufgeweckte und höfliche Kinder, welche zur Schule gehen, nachmittags ihren häuslichen Aufgaben nachkommen und betreut werden.
Derzeit sind neben Luwis auch Timmy und Riekje vor Ort, um bei den Baumassnahmen und Organisationsdingen zu helfen und Luwis zu unterstützen. Denn in 3 Wochen steht die Eröffnung für die Krippe und den Kindergarten auf dem Programm und die Zeit drängt. Es müssen noch einige Probleme gelöst, der Container aus dem Hafen geholt sowie Materialien besorgt und aufgebaut werden. So waren am Wochenende fleissige Arbeiter dort, um die Klos zu reparieren und die neuen Räume zu streichen. Zusammen mit Riekje und Luwis war ich in verschiedenen Kirchen, um die Menschen aus der Umgebung für die Eröffnungsfeier einzuladen und so etwas Werbung für die Krippen- und Kindergartenplätze zu machen.
Am Nachmittag sind wir dann mit den Kindern an den Strand gefahren. Sie sind gleich in das Wasser gestürzt und haben die Zeit genossen. Denn obwohl sie nah am Meer wohnen, kommen sie kaum dorthin, da oft Geld oder Zeit fehlen. Für mich selbst hatte der Strand ein Flair vom Italienurlaub. Alles war sehr touristisch aufgebaut und ganz anders als in Cape Coast.
Wer weitere Informationen zu Cafacayo und/oder dem Waisenhaus haben möchte, meldet sich einfach bei mir.

Vom Strand bin ich dann abends zum Flughafen gefahren. Mein Besuch kam an. Endlich! Marie ist nun für einige Zeit hier in Cape Coast und macht neben Urlaub ein Praktikum in Cape Deaf. Die vielen neuen Eindrücke, Gerüche und Geräusche haben sie am Anfang sehr erschlagen, doch nun gewöhnt sie sich langsam an das Leben hier und geniesst die warme Sonne über Cape Coast und den Atlantik vor der Haustür. Im Gepäck hatte sie dann auch die wichtigsten Genussmittel für mich, die hier nur schwierig zu bekommen sind: Schokolade und Kaffee. Ein Traum und Genuss jagt den nächsten. Vom Traumurlaub an diesem Wochenende gibt es demnächst mehr ;-)

08 February 2011

Extremer Alltag

Aus anfänglichen Problemen des Schlagens glitt ich quasi über zur Gleichgültigkeit. Von dort aus zum Extrem: Ein Mädchen beginnt zu Heulen. Enttäuschung, Verachtung, Unverständnis, Missachtung schiesst es durch meinen Kopf. Hat das Seminar wieder mehr für das Thema sensibilisiert oder ist es heute einfach eine krasse Situation gewesen? Warum schlägt ausgerechnet derjenige zu, dem ich es am längsten nicht zugetraut habe? Warum will er mit dem Schlagen Aufmerksamkeit und Lernen erzwingen? Furcht bringt niemandem etwas bei. Vielleicht für den Moment, aber nicht auf Dauer. Warum behalten die Kinder nicht die Worte, welche er ihnen beibringt? Haben sie es einfach nicht verstanden und sind zu faul zum auswendig lernen? Sind sie vom ganzen auswendig lernen überfordert? Die Worte stehen dabei an der Tafel. Können sie nicht lesen? Können sie die Worte nicht in Gebärden umsetzen? Reizüberflutung? Prüfungsangst beim Nachfragen des Lehrers? Ich gehe aus dem Klassenraum, um das weitere Geschehen zu ignorieren und zu verpassen; unterhalte mich mit anderen Lehrern für einen kurzen Moment und kehre dann zurück. Hoffentlich ist es vorbei. Die Kinder schreiben das zu lernende ab. Aber nicht alle. Ein Mädchen liegt am Boden. Sie heult. Sie hatte vorher auch schon geheult. Was war geschehen? Oder sind sie doch einfach unaufmerksam und missachten den Lehrer? Aber warum? Sie kennen doch die Konsequenzen. Der Lehrer hat sie vorher gewarnt. Wenn ich etwas nicht verstehe, frage ich nach. Und wenn ich jemandem etwas beibringe und er es nicht versteht, wiederhole ich es, bis er es versteht. Wenn nötig mehrere Male, auf unterschiedlichen Wegen. Einige verstehen es auf Anhieb, andere brauchen länger – 3 Wiederholungen, mehrere Tage, bis es „klick“ macht. Jeder ist anders. Jeder denkt anders. Jeder lernt anders. Selbst scheinbar einfache Dinge müssen nachvollzogen werden, um sie zu behalten und umsetzen zu können. Vielleicht lernen und verstehen SIE es ja doch. Irgendwann.

So erging es mir heute während des Unterrichts. Zu Beginn des Tages bin ich froh gewesen nach dem (Da-)Zwischenseminar wieder in die Schule zu gehen. Zu fremd und ungewohnt war die Welt im Hotel. Doch als er anfing zu schlagen, war es umgekehrt. Ich fühlte mich unwohl und wäre am liebsten gegangen. Aus der Freude wurde Enttäuschung.
Nach dem Unterricht habe ich ihn darauf angesprochen. Mit obigen Text. Er schrieb mir eine lange Erklärung auf, ich erwiderte und er erklärte von neuem. Ich weiss nun wie er denkt – anders als ich. Es ist in Ordnung für mich, zumindest ein bisschen. Ich verstehe ihn und vollziehe seine Gedanken nach, teile aber nicht seine Meinung. Ich versuche mir ein genaueres Bild zu erstellen und werde sowohl über Situation als auch seine Erklärung weiter nachdenken. Ghana ist nicht Deutschland. Es ist eine andere Welt. Wieder einmal.