27 May 2011

Peace for Africa

Mittwoch, am African Union Day, war es so weit: Ein grosses Aufgebot von afrikanischen und europäischen Top-Fussballern kam auf Einladung von Michael Essien nach Accra, um dort ein Wohltätigkeitsspiel zu absolvieren. Die Aufmerksamkeit wurde dabei auf den Frieden Afrikas gerichtet, welches in einigen Ländern gerade schwierige Situationen zu meistern hat.
Ich bin mit Kofi und Dan schon am Dienstag nach Accra gefahren, um rechtzeitig da zu sein und Tickets zu bekommen. Trotz zweier Kontakte, die wir hatten, klappte es nicht so recht mit den Karten und so mussten wir – wie viele andere Leute auch – unsere auf dem blühenden Schwarzmarkt für einen höheren Preis kaufen. Dennoch tat es der Stimmung keinen Abbruch. Ebenso wenig das lange Warten auf den Spielbeginn, da wir schon sehr früh vor Ort waren.
Vor dem Spiel gab es Musik und eine Tanzshow und dann war es endlich soweit: Essien, Asamoah Gyan, Fredrik Ljungberg, Ashley Cole und viele andere aktive und ehemalige Fussballer kamen zum Aufwärmen auf das Feld und schossen gelegentlich Bälle auf die Tribünen.
Das Spiel an sich war wie der Zweck des Events friedlich. Ich konnte den Spielern den Spass, aber auch manchmal den Frust ansehen. Jeder Spieler, der näher an die Tribüne kam, wurde herzlich begrüsst und bejubelt.
Während der Halbzeitpause stürmten Samini, Castro und Prayer das Spielfeld. Sie sind ghanaische Musiker und unterhielten uns 15 Minuten lang. In dieser Zeit wurde ein Hit des letzten Jahres angestimmt: African Girls. Castro begann sein Lied zu singen und dann stürmte Asamoah Gyan ebenfalls wieder das Spielfeld. Er rappt in dem Song. Zur Freude der Zuschauer fingen beide dann gemeinsam an zu singen und auch zu tanzen. Schliesslich musste Gyan auch wieder vom Feld, um kurz darauf mit der afrikanischen Auswahl weiter zu spielen.
Am Ende konnte sich dann die europäische Auswahl mit 4-2 gegen die afrikanische Auswahl durchsetzen. Doch das Ergebnis zählt weniger. Vielmehr steht der Frieden für alle afrikanischen Länder im Vordergrund, der mit diesem Spiel forciert und darauf aufmerksam gemacht werden soll. In der Mannschaft spielten afrikanische Spieler aus Ghana, Tunesien, Togo, der Elfenbeinküste, Marokko, Ägypten, Liberia und manch anderen Ländern friedlich zusammen. Dies soll nun auf die Länder des Kontinents übertragen werden und auch innerhalb der Länder wirken.
Während des Spiels klappte es zumindest: Die Zuschauer waren friedlich und in einer grossen Feierlaune. Zwischen den Ghanaern waren wie ich einige Weisse und sicher auch Besucher aus anderen afrikanischen Ländern. Wir fieberten und feierten zusammen und liessen uns trotz des zwischendurch starken Regens die Laune nicht verderben. Ganz im Gegenteil. Mit dem Regen fing die Party erst an.

Kofi und ich vorm Stadion in Accra

im Stadion auf unseren Plätzen

Kofi und Dan beim lautstarken Anfeuern

super Stimmung auf den Rängen ...

... und jeder Spieler wird gefeiert

die europäische Auswahl bei einem Angriff

Freddie Ljungberg wird bei einer Ecke beklatscht

beste Stimmung, selbst nach einem heftigen Regenguss, der alles durchnässte

20 May 2011

I love my life

Gelegentlich beginne ich über mein Leben zu grübeln und nachzudenken, was das ganze denn soll. Was mache ich eigentlich auf der Welt? Wozu bin ich da? Und warum? Will ich das überhaupt?
Nach ein paar Momenten komme ich dann zu einem Entschluss: Es ist super so, wie es ist. Ich liebe mein Leben. I love my life! Und ich lebe es jetzt - so, wie es gerade kommt, denn wer weiss was morgen ist.

Für alle Deprimierten, denen es nicht so geht: Reinhören, mitwippen, geniessen und dann Spass am Leben finden. Schliesslich habt ihr nur eines davon.

16 May 2011

Auf Abwegen

Die Ferien endeten vor 2 Wochen, es waren aber noch keine Kinder zum Schulstart dort. Mal wieder. So fiel die erste Woche Unterricht aus. In der Hoffnung auf mehr Kinder war ich letzte Woche Montag in der Schule. Nur wenige Schüler, kein Unterricht. Es ist also wie auch nach den letzten beiden Ferien: die Kinder kommen nur langsam wieder zurück an die Schule.
So beschloss ich am Mittwoch mit Cobi nach Anomabo an eine Primary School mit Kindergarten zu fahren. Neue Schule, neues Glück?
Cobi kommt aus Anomabo und will in seiner Heimat nun etwas Gutes tun. Aus diesem Grund sind wir an die St. Thomas Anglican Kindergarten and Primary School gegangen, um gemeinsam mit den Lehrern ein Projekt einzurichten. Es war das erste Treffen und wir teilten den beiden Schulleiterinnen unsere Idee mit, der Schule auf unterschiedliche Art und Weise helfen zu wollen – finanziell, materiell, ideell. Sie waren sehr interessiert und es war eine angenehme Unterhaltung. Andere Schule, neue Hoffnung.
Danach schauten wir uns die Klassenräume an und begrüssten die anwesenden Klassen. Denn es waren nicht alle Schüler dort. Zwei Klassen waren beim ICT-Unterricht in einem speziellen Centre im Ort und drei Klassen kommen im Schichtsystem erst am Nachmittag – die Schule hat nicht genügend Räume für alle Schüler; im Kindergarten werden gleichzeitig 124 Kinder unterrichtet. Es herrschte ein reges Interesse an uns und die Kinder machten einen fröhlichen Eindruck, obgleich sie kaum Schulmaterialien haben, die Klassenräume bedrückend wirken und einen hohen Geräuschpegel haben. Es gibt nicht genug Lehrer an der Schule und viele Kinder können sich nicht einmal Schuhe leisten. Neben den vielen Schülern gibt es noch die Kinder aus den armen Familien, die wegen des knappen Geldes nicht zur Schule gehen können, da sie keine Schuluniform, Stifte und die geringen Gebühren zahlen können.
In Anomabo an der St. Thomas Anglican School gibt es also viel zu tun. Cobi und ich wollen nun ein Projekt ausarbeiten und ein paar Kontakte zu Organisationen über weitere Freiwillige knüpfen, um ebenfalls Volunteers an die Schule zu senden. Zunächst können so die Lehrer etwas entlastet und hoffentlich der Unterricht ideeller gestaltet werden, indem die Freiwilligen eigene Ideen einbringen und den Kindern ein Vorbild sind. Unter Umständen können so auch Materialien und Gelder beschafft werden, um eine langfristige Förderung aller Kinder zu gewährleisten. Weitere Einsatzmöglichkeiten für Freiwillige, auch Ghanaer, werden ebenfalls geplant.

Ich bin in der kinderlosen Zeit in Cape Deaf also nicht ganz untätig und begebe mich nun abseits meines eigentlichen Projektes hier in Ghana an andere Ideen. Neben dem Waisenhaus von Cafacayo ist dies nun also das zweite Projekt, welches ich ein wenig vorantreibe, da ich es weitaus sinnvoller erachte, als noch mehr Dinge für Cape Deaf zu besorgen, welche nicht unbedingt notwendig sind und zu den beiseite gestellten Geschenken in die Lagerräume kommen und dort einstauben.

10 May 2011

Rezepttipp I: Palmölstew

Heute will ich eins meiner ghanaischen Lieblingsessen mit euch teilen. Vielleicht kommt ihr ja dazu es mal nachzukochen. Die meisten Zutaten bekommt man auch in Deutschland, bei einigen wird es aber schwierig oder es gibt sie vielleicht gar nicht. Genau kann ich es euch leider nicht sagen. Sucht einfach und lasst es mich dann wissen, so dass ich gegebenenfalls Dinge von hier mitbringen kann. Nun aber erst einmal die Zutatenliste für 3 Personen:

6 Tomaten
2 Zwiebeln
5 Pfefferschoten (ähnlich wie Chili)
1 grüne Paprika
4 Gardeneggs (sehr kleine, gelbliche Auberginen)
1 Flasche Palmöl
3 Stücke gesalzener, getrockneter Fisch (Tilapia)
9 getrocknete Heringe (Sprottengrösse)
1 Maggi-Würfel
Salz

Zubereitung:
Zunächst mörserst du eine Zwiebel und die Pfefferschoten zu einem Brei. Dann fügst du die Tomaten in kleinen Stückchen hinzu und mörserst sie zusammen mit den Zwiebeln und Pfefferschoten. Wenn ein wässriger Brei entstanden ist, kannst du ihn vorerst stehen lassen.
Schneide die Gardeneggs in kleine Stücke und koche sie in Wasser weich. Wenn du möchtest, kannst du die Paprika ebenfalls hinzufügen. Ansonsten kommt sie später klein geschnitten in das Stew.
Den trockenen Tilapia weichst du in etwas Wasser ein.
Säubere den getrockneten Hering indem du die Haut abziehst, Kopf und Schwanzflosse entfernst und evtl. die übrigen Flossen abtrennst.
Nun erhitze so viel Palmöl in einem Topf, dass du den Fisch darin leicht fritieren kannst. Nach etwa 5 Minuten fügst du die zweite Zwiebel in groben Stückchen in das heisse Öl. Wenn diese glasig und aufgequollen sind, gibst du die  rohe Paprika dazu und fritierst sie ebenfalls einige Zeit, so dass sie weich wird. Hast du die Paprika mit den Gardeneggs gekocht, wartest du noch damit und mixt dann beides später zusammen unter. Dann kannst du den Tomatenbrei hinzugeben und alles aufkochen lassen. Wenn alles ein wenig gekocht hat, rührst du die abgegossenen Gardeneggs (und Paprika) hinzu. Lass alles für 15-20 Minuten einköcheln und rühr gelegentlich um. Würz das Stew mit dem Maggi-Würfel und, wenn noch Bedarf ist, mit Salz.
Das Stew ist fertig, wenn die Zutaten weich gekocht sind und nicht mehr zu viel Wasser vorhanden ist. 
Zum Stew passt gekochter Yam (Yam schälen, in Scheiben schneiden und dann wie Kartoffeln kochen).
Servier das Stew in einer grossen Schale und den gekochten Yam auf einem Extrateller. Dann essen alle mit den Händen vom Teller und aus der Schale. Nimm ein Stück Yam und stipp es in das Stew. Nimm weitere Finger zur Hilfe, um das Gemüse oder Fisch zu nehmen. Denk aber daran: Nur die rechte Hand benutzen!

04 May 2011

Schlange vor der Küche - Essen gibt es später

Erinnerst du dich noch an die Grossstadtsafari, über die ich vor kurzem geschrieben habe? Über die Tiere, welche mir ständig in der Stadt und am Strand begegnen? Ja? Gut, dann vergiss sie. Heute soll es über die kleinen, nervigen Tiere mit mehr oder weniger Beinen gehen.
Nachdem die Moskitos langsam mehr werden und wir vor einigen Wochen schon mal einen grösseren, schwarzen Skorpion vor der Haustür und einen im Wohnzimmer hatten, lag gestern Nachmittag eine kleine, grüne Schlange (naja, so 30cm hatte sie wohl schon, war aber sehr dünn) vor der Tür zur Küche. Wie sie in das Haus gekommen ist? Keine Ahnung. Was sie da wollte? Noch weniger Ahnung. Ich wusste nur, dass sie da weg muss, damit ich mir mein Essen machen konnte. Da ich auch nicht wusste, was es für eine Schlange ist, ob giftig oder feige, entschloss ich mich für die unangenehmste Weise sie zu beseitigen: Tod aus sicherer Entfernung. Doch zuvor hat Kristina die Schlange im Haus noch fotodokumentiert und ist dabei barfuss um sie herum gelaufen.
Ich zog also eine Jeans über meine Shorts, schlüpfte in meine Winterstiefel (ja, ich benutzte sie dann zum zweiten Mal hier in Ghana, nachdem ich sie das erste Mal im Kakum Nationalpark trug) und fühlte mich so relativ sicher vor einem möglichen Biss. Immerhin war die Schlange ja nicht sehr gross. Mit einem Brett konnte ich sie dann aus sicherem Abstand unschädlich machen. Ich brachte die tote Schlange dann raus und konnte endlich in die Küche und meinen Hunger stillen.

Nach dem anfänglich ruhigen Leben ohne Begegnungen mit möglicherweise giftigen Tieren wird es nun also doch noch ein wenig spannend. Drei Tiere in kurzer Zeit. Ich bin schon auf das nächste Treffen gespannt.