31 July 2011

Der Anfang vom Ende

Am Donnerstag war es soweit: der letzte Schultag vor den Ferien. Mein letzter Schultag in Cape Deaf. Mein letzter Arbeitstag im Projekt. Die Schule beginnt erst wieder, nachdem ich aus Ghana abgereist sein werde. 
Mit dem letzten Schultag wurde nun auch das Ende meines Ghana-Jahres eingeläutet. Die Projektarbeit ist bereits zu Ende. Nun habe ich noch ein paar wenige Wochen Ferien und dann steige ich auch schon in den Flieger und kehre nach Deutschland zurück.
Der Abschied aus der Schule war irgendwie irreal. Zu weit weg scheint mein Abflug zu sein. Zu viele Dinge will ich noch erledigen. Noch bin ich fünf Wochen hier. 
Noch? Nur noch! Die Zeit rast, ist intensiv, vergeht viel zu schnell. Eindruck folgt auf Eindruck, Erlebnis auf Erlebnis: "Wann war das noch mal? Letztes Wochenende? Oh, dachte schon länger her... Zu viel ist in dieser Zeit geschehen."

Der Hauptgrund für die Reise nach Ghana war die Projektarbeit in Cape Deaf. Damit fing alles an. Damit hört alles auf. Die Arbeit hat schon aufgehört. Sie ist der Anfang vom Ende. Dem Ende meines Freiwilligendienstes in Cape Coast. 

Doch mit dem Ende beginnen auch die wundervollen Erinnerungen an ein Jahr Cape Coast, Ghana. Und den Anfang machen Lamptey und meine Klasse 5 in Cape Deaf, mit denen ich viel Spass, aber auch manchmal Kummer hatte.


25 July 2011

Der Shop

Ihr habt euch schon mal gefragt, was ich nach der Arbeit in der Schule mache? Ihr wollt wissen, wo sich mein Sozialleben abspielt? Nun ja, eigentlich ist es ganz einfach: SHOPping!

Doch alles von Anfang an:
Zunächst war ich von den Rasta-Shop nicht sehr begeistert und habe lange Zeit einen kleinen Bogen geschlagen, wenn ich vorbei gegangen bin. Dann aber habe ich Cobi, einen meiner kleinen Brüder hier, irgendwann im April morgens am Strand getroffen und er sagte mir, dass er nun im Shop arbeite. Also bin ich mit ihm hin und habe mir das Afro Drums Paradise angesehen. Nachdem die Schule im Mai wieder los ging, bin ich dort öfters nach Schulende hin, um mich zu unterhalten und die Zeit angenehmer zu verbringen als mit Handwäsche, Fegen und Langeweile im Haus.
Mit der Zeit lernte ich dann eben auch die ganzen anderen Rastas in ihren Shops kennen und lande dort nun eigentlich jeden Tag, auch am Wochenende, und treffe meine Freunde. Freunde, die ich gar nicht kennen würde, wenn ich nicht am Shop gewesen wäre. Neben Cobi ist meistens auch Sununu dort, dem der Shop gehört. Aber auch einige andere schauen regelmässig vorbei, so dass eigentlich immer drei Leute dort sind, aber es auch viele mehr werden können. Wir sitzen dann auf Bänken oder der Treppe und haben eine spassige, relaxte Zeit, spinnen Pläne für die Zuknuft, essen allerlei unterschiedliche Snacks, die den Shop passieren, und geniessen einfach die Nachmittagssonne und den Blick aufs Meer. Zwischendurch werden dann die vorbei laufenden Touristen gerufen, dass sie einen Blick in den Shop werfen und ihr Geld hoffentlich dort lassen.

Heute Nachmittag waren wir dann ziemlich viele Leute am Shop und hatten eine tolle Zeit. Nebenan wurde das Panafest gestartet (dazu später hoffentlich mehr…) und die Chiefs der zehn Regionen Ghanas wurden in Sänften durch die Strassen getragen. Ansonsten blieb das Panafest bisher aber eher blass und deswegen war die Zeit am Shop umso schöner mit all den Leuten.

Katha, Imme, Anna und ich am Shop

Jay mit Kinky und Kofi nebenan

NachMITTAGspause: Selbstgemachte Suppe mit Garii

10 July 2011

E(i)xperimente

Schon mal ein gekochtes Ei in einer Flasche gesehen? Nein? Dann wird es aber Zeit!
Die Zeit war nun bei meinen Schülern in der fünften Klasse gekommen. Seit ein paar Wochen mache ich in der Bibliotheksstunde gelegentlich naturwissenschaftliche Experimente, anstatt in die Bücherei zu gehen und Bilder anzusehen. Angefangen hatte es alles mit den Stromkreisen und einer Behauptung meines Lehrers, der meinte, Salzwasser bringe eine Glühbirne zum Leuchten. Die Kinder glaubten ihm nicht und so musste der Beweis her. Ich habe ihn vorher aber aufgeklärt und sagte ihm, was er in falscher Erinnerung hatte: Salzwasser leitet Strom, erzeugt aber keinen.
Am nächsten Tag folgte der Versuch und nach ein wenig ausprobieren, gelang es endlich den Strom durch das Salzwasser zu leiten. Die Zitronenbatterie hingegen schlug fehl.
Beim zweiten Mal liess ich eine Büroklammer auf Wasser schwimmen und mit Spülmittel untergehen, um den Kindern die Wasseroberflächenspannung zu zeigen.
Schliesslich folgte nun das Ei in der Flasche für das Zeigen des Luftdruckes. Damit verband ich dann das unterscheiden roher und gekochter Eier, ohne sie aufzuschlagen als auch den Druckausgleich, welchen die Eierschale ausübt, wenn man versucht das Ei mit einer Hand zu zerdrücken (es klappt übrigens nicht).
Aber zurück zum Flaschenei: Ich zündete ein kleines Feuer in einer Flasche an, liess es ausgehen und setzte dann das gepellte Ei auf die Flaschenöffnung. Kurz darauf wurde das Ei durch den Hals in die Flasche gezogen und fiel mit einem „plopp“ auf den Grund. Die Kinder waren total begeistert und schrien laut auf. Die Geräuschkulisse war krass, zumal sie ja alle nicht wirklich sprechen können. Die Wiederholung des Versuches klappte nicht ganz so besonders, da der Sauerstoff in der Flasche nur gering war und ein erneutes Feuer nur schwierig zu entfachen war. Dennoch sog die Flasche das Ei etwas hinein.
Im Anschluss erklärte ich den Kids, weshalb das EI hinein gesogen wurde und ich hoffe, sie haben es verstanden – zumindest in Ansätzen. Auf jeden Fall haben sie aber ein tolles Experiment gesehen, wurden verblüfft und hatten Spass. Genauso wie ich.


06 July 2011

Elmina Bakatue

Zusammen mit Kofi und Dan bin ich gestern nach Elmina zum Edina Bakatue gefahren, dem jährlichen Fischerfestival. Nach einer anfänglichen Langeweile – das Festival begann erst später, als uns erzählt wurde – war es doch eine ganz nette Zeit. 


Zunächst liefen wir um das Castle herum und machten ein paar Fotos, bevor wir dann später an den Hafen gegangen sind. Dort fand das Kanurennen statt. Doch auch hier mussten wir auf den Beginn warten, wurden aber von zahlreichen jungen Männern in ihren Kanus unterhalten, welche sich ständig rammten, untergingen oder sich einfach für das Rennen warm machten. Auf einzelnen grösseren Kanus fuhren Frauen, welche mit Gesang die Meute im Hafen unterhielt. Dann begann endlich das Rennen, wobei immer zwei oder drei Kanus gegeneinander antraten. Die Zahl der Ruderer schien egal zu sein, da manchmal 4 gegen 6 oder gar 8 antraten. Selbst bei dem Rennen gab es Störenfriede, welche zwischen den antretenden Boten auftauchten und durchaus gerammt wurden.
Nach dem Rennen war dann eine grosse Zeit lang nichts, bevor eine Zeremonie vor den anwesenden Chiefs abgehalten wurde. Ein Fischer warf sein Netz dreimal aus und hatte dabei grossen Erfolg. Durch diesen Fang wurde den Leuten ein guter Fang für das kommende Jahr prophezeit. 
Im Anschluss wurden die Chiefs durch die Strassen getragen und es begann eine grosse Feier im Zentrum Elminas. Wir gingen es aber ruhiger an, sassen an der Seite und beobachteten die feiernden Menschen um uns herum.
Das Elmina Festival war nun der Auftakt für noch zwei weitere Festivals, welche ich besuchen werde. Ende Juli ist das Panafest in Cape Coast und dann im September ebenfalls in Cape Coast das Fetu Afahye, welches den Abschluss an ein tolles Jahr in Ghana krönt.