12 August 2011

Abruptes Ende

Nun komme ich also dazu von unserer weiteren Reisezeit zu berichten:

Von Bolga aus dauerte es schon einige Zeit, bis wir in Larabanga ankamen (wir mussten in Tamale noch umsteigen und lange warten, aber früh dort sein, um Tickets zu bekommen...) und so reisten wir quasi zwischen den Dunkelzeiten zweier Tage. 
Früh am nächsten Tag schwangen wir uns auf Motorräder und fuhren in den Mole Nationalpark. Dort machten wir eine Wanderung mit einem Ranger und sahen tatsächlich auch zwei Elefanten - einen davon aus grosser Nähe. Wobei die Chancen sie zu sehen in der Regenzeit eher geringer sind, als in der Trockenzeit, da die Tiere nun überall im Park Wasserlöcher vorfinden und nicht an das grosse Loch am Eingang ziehen. Neben den Elefanten liefen uns auch noch mehrere Arten Antilopen, Krokodile und Warzenschweine vor die Nase. Es war ein netter Zeitvertreib und die Elefanten gaben dem Ganzen noch etwas Besonderes.
Nachdem wir wieder im Dorf angekommen waren, suchten wir die älteste Moschee Ghanas auf. Auch diese Moschee durfte ich nicht betreten und so blieb mir nur der Anblick von aussen, während Kofi sogar auf das Dach kletterte. Die Moschee muss jährlich renoviert werden, so dass der Lehmputz nicht gänzlich abfällt und die Moschee vom Regen weggewaschen wird. Ansonsten werden mehr als 500 Jahre Geschichte einfach so auf den Erdboden gespült und versickern in die Vergessenheit.

Nach der Moschee begann der unangenehmste Teil der Reise: Ich fror, schwitzte, fühlte überall Schmerzen. Ich brach das Fasten am Nachmittag ab. Es holf nichts. Am Abend nahm ich die ersten Medikamente: Coartem. Wir beschlossen die Reise abzubrechen.
Am nächsten Morgen ging es mir besser. Aber nicht gut genug zum Reisen. Wir waren an dem Punkt der Reise, von wo wir die grösste Distanz nach Cape Coast hatten. Gute 700km Entfernung. Wir blieben einen weiteren Tag.
Gestern brachen wir dann auf. o4oo morgens auf den Bus warten. Der kam erst um o5oo. Dann 4 Stunden bis Tamale, eine Stunde warten, weitere 7 Stunden nach Kumasi, wieder eine Stunde warten und schliesslich noch 4 Stunden bis Cape Coast. Nach 18 Stunden Reisezeit waren wir endlich zurück. Es war anstrengend. Die ganze Zeit in ungemütlichen Bussen sitzen und warten, warten, warten. Einfach nichts tun. Aber wir wollten nicht unnötig einen weiteren Tag auf der Strecke sitzen und mehr warten.
Heute früh war ich dann im Labor und habe mich testen lassen. Unsere Vermutung wurde bestätigt: Malaria.
Ich bin nicht drum herum gekommen. Schade. Immerhin habe ich 11 Monate durchgehalten. Aber mir geht es wieder gut und keiner muss sich sorgen machen.

So wurde die Reise in den Norden leider kürzer als geplant, hat sich aber doch gelohnt. Wir haben einige spannende, aber auch weniger spannende Dinge gesehen. Wir haben den mehr muslimen Norden entdeckt. Gerade in Tamale oder Larabanga gibt es derzeit tagsüber kaum etwas zu essen, da die meisten Menschen wegen des Ramadans fasten; einschliesslich uns. In Bolgatanga haben wir am Schrein Kontakt mit dem traditionellen Glauben und dem Opfern von Tieren knüpfen können. In Salaga und Paga gibt es geschichtliche Eckpunkte des Sklavenhandels aus der Kolonialzeit. Statt Fanti, Twi und Ga werden Dagbani, Mampruli, Gonja und Haussa gesprochen. Wir haben Krokodile und Elefanten in freier Wildbahn gesehen, wobei diese auch schon etwas an die Menschen gewöhnt sind. Während wir in den Bussen und Trotros sassen, sind wir an vielen kleinen, traditionellen Dörfern mit Lehmhäusern, ohne Strom und fliessend Wasser, dafür mit Vodafone-Werbung an der Hauswand, vorbei gefahren. Mehr Menschen scheinen ärmer und die Preise für Nahrungsmittel höher zu sein, als an der Küste.

Der Norden mit seiner Weite ist anders als der Süden mit seiner Küste und dem Meer. Ich mag Teile des Nordens. Ich mag den Süden. Aber das ist vielleicht auch nur die Macht der Gewohnheit. Dennoch ist es gut, dass es diese Macht gibt. Denn hier in Cape Coast fühle ich mich zu Hause. Hier fühle ich mich wohl. Das habe ich gerade erst gestern Nacht und heute Morgen erlebt, als Kofi und ich von unserer Reise wieder zurück kamen. Wenn Ghana ein menschlicher Körper wäre, sässe das Herz in Cape Coast.

07 August 2011

Krokodilsklaven

Ich sitze gerade am einer Tankstelle und warte auf Kofi, der mich mal wieder abgegeben hat, während er seinen Zalat betet. Also ist ein wenig Zeit zum berichten:
Von Cape Coast sind wir über Kumasi und Tamale mittlerweile in Bolgatanga gelandet.
Auf einem Tagestrip haben wir den alten Sklavenmarkt in Salaga besucht, welcher aber eher enttäuschend war. Tamale selbst ist eine nette Stadt, jedoch gibt es dort auch nicht zu viel zu sehen, es sei denn man versucht alle Moscheen der Stadt zu finden. Es sind unglaublich viele und am jeder Ecke gibt es eine!
Bolgatanga ist ebenfalls wenig spannend. So sind wir heute nach Paga gefahren und haben Krokodile gestreichelt. Die Krokodile sind dort heilige Tiere, welche nun aber zu touristischen Zwecken benutzt werden. Ob das im Sinne der Legende ist bezweifel ich stark. Nach dem Streichelzoo sind wir zur Grenze gegangen und konnten wie erwartet nicht nach Burkina Faso einreisen, da ich meinen Pass noch nicht wieder habe. Also blieb es bei einem Blick über den Zaun und dann wieder zurück nach Bolgatanga.

Morgen führt unser Weg dann nach Larabanga zu den Elefanten und der ältesten Moschee Ghanas im sudanesischen Lehmbaustil. Mehr dazu nach den Flusspferden an der Grenze zur Elfenbeinküste.

01 August 2011

Ramadan

Heute beginnt der Fastenmonat der Muslime - der Ramadan.
Da Kofi ein gläubiger Muslime ist, hat er heute Nacht mit der Fasten begonnen. Und ich ebenso. Ich will es einfach mal ausprobieren und sehen, ob ich die vier Wochen durchhalte. Generell gilt nun also für alle Fastenden: Essen und Trinken nur vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang, kein Rauchen, kein Alkohol, kein Sex.
Die grosse Schwierigkeit am Fasten für mich wird das Trinken sein, da wir beiden morgen in den Norden aufbrechen und ungefähr zwei Wochen auf Reise sein werden. Der Norden ist gewöhnlich heisser als die Küste und so werde ich mehr schwitzen und Wasser benötigen, welches ich aber tagsüber nicht trinken darf. Doch ich will es versuchen und so lange wie möglich durchhalten.
Ein Motivationsschub wird Kofi sein, aber ebenso der Norden an sich, welcher muslim geprägt ist und so ein "gutes Umfeld" für das Fasten bietet.

Wenn ich mich nun also einige Zeit nicht mehr melden sollte, bin ich am Elefantenreiten, werde auf einem Sklavenmarkt verkauft, streichel Krokodile, bete in Moscheen, verlaufe mich in der weiten Ebene, bade mit Flusspferden oder stecke in einem burkinischen Gefängnis aufgrund illegaler Einreise, da mein Reisepass immer noch nicht zurück ist...

Ihr seht also: alles ist gut. Mir geht es gut.

Ramadan kareem!