Nun komme ich also dazu von unserer weiteren Reisezeit zu berichten:
Von Bolga aus dauerte es schon einige Zeit, bis wir in Larabanga ankamen (wir mussten in Tamale noch umsteigen und lange warten, aber früh dort sein, um Tickets zu bekommen...) und so reisten wir quasi zwischen den Dunkelzeiten zweier Tage.
Früh am nächsten Tag schwangen wir uns auf Motorräder und fuhren in den Mole Nationalpark. Dort machten wir eine Wanderung mit einem Ranger und sahen tatsächlich auch zwei Elefanten - einen davon aus grosser Nähe. Wobei die Chancen sie zu sehen in der Regenzeit eher geringer sind, als in der Trockenzeit, da die Tiere nun überall im Park Wasserlöcher vorfinden und nicht an das grosse Loch am Eingang ziehen. Neben den Elefanten liefen uns auch noch mehrere Arten Antilopen, Krokodile und Warzenschweine vor die Nase. Es war ein netter Zeitvertreib und die Elefanten gaben dem Ganzen noch etwas Besonderes.
Nachdem wir wieder im Dorf angekommen waren, suchten wir die älteste Moschee Ghanas auf. Auch diese Moschee durfte ich nicht betreten und so blieb mir nur der Anblick von aussen, während Kofi sogar auf das Dach kletterte. Die Moschee muss jährlich renoviert werden, so dass der Lehmputz nicht gänzlich abfällt und die Moschee vom Regen weggewaschen wird. Ansonsten werden mehr als 500 Jahre Geschichte einfach so auf den Erdboden gespült und versickern in die Vergessenheit.
Nach der Moschee begann der unangenehmste Teil der Reise: Ich fror, schwitzte, fühlte überall Schmerzen. Ich brach das Fasten am Nachmittag ab. Es holf nichts. Am Abend nahm ich die ersten Medikamente: Coartem. Wir beschlossen die Reise abzubrechen.
Am nächsten Morgen ging es mir besser. Aber nicht gut genug zum Reisen. Wir waren an dem Punkt der Reise, von wo wir die grösste Distanz nach Cape Coast hatten. Gute 700km Entfernung. Wir blieben einen weiteren Tag.
Gestern brachen wir dann auf. o4oo morgens auf den Bus warten. Der kam erst um o5oo. Dann 4 Stunden bis Tamale, eine Stunde warten, weitere 7 Stunden nach Kumasi, wieder eine Stunde warten und schliesslich noch 4 Stunden bis Cape Coast. Nach 18 Stunden Reisezeit waren wir endlich zurück. Es war anstrengend. Die ganze Zeit in ungemütlichen Bussen sitzen und warten, warten, warten. Einfach nichts tun. Aber wir wollten nicht unnötig einen weiteren Tag auf der Strecke sitzen und mehr warten.
Heute früh war ich dann im Labor und habe mich testen lassen. Unsere Vermutung wurde bestätigt: Malaria.
Ich bin nicht drum herum gekommen. Schade. Immerhin habe ich 11 Monate durchgehalten. Aber mir geht es wieder gut und keiner muss sich sorgen machen.
So wurde die Reise in den Norden leider kürzer als geplant, hat sich aber doch gelohnt. Wir haben einige spannende, aber auch weniger spannende Dinge gesehen. Wir haben den mehr muslimen Norden entdeckt. Gerade in Tamale oder Larabanga gibt es derzeit tagsüber kaum etwas zu essen, da die meisten Menschen wegen des Ramadans fasten; einschliesslich uns. In Bolgatanga haben wir am Schrein Kontakt mit dem traditionellen Glauben und dem Opfern von Tieren knüpfen können. In Salaga und Paga gibt es geschichtliche Eckpunkte des Sklavenhandels aus der Kolonialzeit. Statt Fanti, Twi und Ga werden Dagbani, Mampruli, Gonja und Haussa gesprochen. Wir haben Krokodile und Elefanten in freier Wildbahn gesehen, wobei diese auch schon etwas an die Menschen gewöhnt sind. Während wir in den Bussen und Trotros sassen, sind wir an vielen kleinen, traditionellen Dörfern mit Lehmhäusern, ohne Strom und fliessend Wasser, dafür mit Vodafone-Werbung an der Hauswand, vorbei gefahren. Mehr Menschen scheinen ärmer und die Preise für Nahrungsmittel höher zu sein, als an der Küste.
Der Norden mit seiner Weite ist anders als der Süden mit seiner Küste und dem Meer. Ich mag Teile des Nordens. Ich mag den Süden. Aber das ist vielleicht auch nur die Macht der Gewohnheit. Dennoch ist es gut, dass es diese Macht gibt. Denn hier in Cape Coast fühle ich mich zu Hause. Hier fühle ich mich wohl. Das habe ich gerade erst gestern Nacht und heute Morgen erlebt, als Kofi und ich von unserer Reise wieder zurück kamen. Wenn Ghana ein menschlicher Körper wäre, sässe das Herz in Cape Coast.
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