| am Cape Three Points |
Zurück in Cape Coast folgte das letzte Souvenirshopping und dann begann auch schon das Fetu Afahye, das grosse Festival in Cape Coast. Fetischpriester tanzten und opferten den Göttern, Menschenmengen drängten sich durch die Strassen, mittendrin hupten die verzweifelten Taxifahrer, abends gab es rauschende Partys in der Stadt. Eine Woche lang war Programm, von dem ich soviel wie möglich mitnahm. Zum Abschluss gab es dann eine Art Parade, bei der die Chiefs aus der Umgebung in Sänften über den Köpfen der Menschen getragen wurden.
| der Chief von Cape Coast während der Parade |
Nach dem Festival wurde es dann ernst: Der Abschied aus Ghana war gekommen. Der Sonntag stand im Zeichen des Packens und Abschiednehmens. Auf der einen Seite fiel es mir schwer, mich zu verabschieden. Auf der anderen Seite aber begann ich nicht allzu sehr zu trauern, da ich mir sicher bin, wieder zu kommen und meine Freunde wieder treffen werde. So war es nur ein Abschied auf Zeit und nicht auf Dauer.
Dennoch vermisse ich sie alle immer noch sehr: meine kleinen und grossen Brüder, meine Klasse in Cape Deaf, Stephen und vor allem Kofi. Aber auch das Meer, die Gerüche, das Hupen der Autos, das Angesprochen und Angefasst werden auf dem Markt, das Rufen der Trotro-Mates, den Shop. Deutschland ist eben nicht Ghana. Und dennoch fühle ich mich auch hier wohl. Ghana war meine Heimat auf Zeit, Deutschland ist meine Heimat auf Dauer.
| mit Kofi am Flughafen kurz vorm Abschied |
Eine Woche bin ich nun schon wieder zurück. Gewöhnt habe ich mich immer noch nicht an alles. Hier ist vieles strukturiert, geplant. Es ist ruhiger, einsamer, individueller. Die Auswahl und Gelegenheiten verführen zum Konsumrausch, Mitmachen und Nichtdenken. Wer will schon auf etwas verzichten, was er hat? Auf etwas verzichten, wozu man keine Gelegenheit hat, ist wesentlich einfacher. Dann vermisst man es einfach nur, findet sich aber damit ab. Ansonsten würde man ständig in Versuchung geraten und doch irgendwann nachgeben, wenn das Bedürfnis zu gross wird.
Ich plante vor meiner Rückkehr so weiter zu machen, wie ich in Ghana gelebt habe. Es funktioniert nicht. Das Leben ist anders. Ich verfalle in meinen alten Trott, die Macht der Gewohnheit nimmt Überhand. Ich bin mir dessen bewusst und versuche nun langsam einzelne Dinge zu ändern. Es wird dauern, vielleicht klappt es nicht. Doch ich will es zumindest versuchen.
Ich bin jetzt zwar in Deutschland, aber richtig angekommen bin ich immer noch nicht.
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